nock/art – ein erster Blick zurück …

Im Jahr 2013 wurde in Bad Kleinkirchheim nock/art, das wanderbare Kunstprojekt, eröffnet. Die Idee, die diesem Projekt zugrunde liegt, ist es, eine Verbindung von Kunst und Wandern zu schaffen und damit das Wandererlebnis um das Erleben von Kunst und Land Art zu bereichern.

Kunst am Berg – passt das denn zusammen? Für mich persönlich ergibt sich durch diese scheinbar gegensätzlichen Pole von Natur und Kunst ein interessantes Spannungsfeld. Dank nock/art kommt es gewissermaßen zu einem bewussten Bruch in meiner eigenen Erwartungshaltung darüber, was Bergerlebnis bedeutet. Und dieser Bruch offenbart sich mir als eine Bereicherung, die mein Bergerlebnis durch einzelne Land Art Projekte erfährt, die mir quasi am Wegesrand begegnen.

Für mich bedeutet Kunst immer Dialog, einen Austausch zwischen dem Kunstwerk (in welcher Form auch immer es sich mir darbietet) und mir selbst. Es bedeutet Fokus und Konzentration, bewusstes Reflektieren und kritisches Hinterfragen, Auseinandersetzung, Reibung und Negation, Übereinstimmung und Wiedererkennen, Verwirrung und Ratlosigkeit, Klarheit und Antwort … aber immer bedeutet es Vielfalt in meinen Empfindungen und Gedanken.

Wenn ich auf die bisher realisierten nock/art Projekte zurückblicke, so gibt es eine Vielzahl von Eindrücken und Emotionen, die mich noch lange begleiten werden.

21. September 2013: Public Art Walk von Hamish Fulton: Ich gehe schweigend einen Weg von 300 Metern in genau 1 Stunde, halte dabei möglichst exakt einen Meter Abstand zu meinem Vordermann und bemühe mich, ständig in Bewegung zu bleiben. Eigentlich sehr simple Anweisungen, die der Land Art Künstler Hamish Fulton uns Teilnehmern mit auf den Weg gegeben hat, und doch fällt es vielen von uns sehr schwer, ihnen Folge zu leisten. Es geht für mich an dieser Stelle wohl auch ums „Aushalten“, es auszuhalten, dass eben nicht alle in einer Reihe gehen und der eine oder andere eben doch noch etwas ganz Dringendes zu sagen hat. Schon bald verschiebt sich mein Fokus allerdings, und ich spüre, was der Slow Walk auf diesem altbekannten Stück ehemaligen Schulweges mit mir macht: ganz viel Aufmerksamkeit auf mich selbst, bewusstes Wahrnehmen meiner unmittelbaren Umgebung, der Natur zuhören, den Herbst riechen, den eigenen Körper spüren, plötzlich wiederkehrende Erinnerungsfetzen, die mit dem Hier und Jetzt zu einer Einheit verschmelzen … und am Ende des Walks völlige innere Ruhe.

Mai 2014: Hotel Konkurrenz von AO&: Ich stehe staunend vor einer Hoteltüre, die dann doch keine ist, trete ein ins Hotel Konkurrenz und durchwandere dabei einen Raum der Katharsis, in dem mir von AO& die Chance gegeben wird, all die ansozialisierten Erwartungshaltungen, all meine Vorurteile darüber, was Hotel bedeutet, hinter mir zu lassen. Ich finde mich schließlich an einem Ort der Begegnung wieder, inmitten einer Gemeinschaft von Menschen, die eine Atmosphäre des Miteinanders, der Kreativität und Achtsamkeit erschaffen. Ich erfahre Hotel Konkurrenz als Lebensraum verschiedener Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Wünschen, Fähigkeiten und Neigungen, völlig losgelöst von traditionellen hierarchischen Hotelstrukturen. Und so ist Hotel Konkurrenz für mich kein Hotel, sondern ein Ort des Austausches mit neuem Zeitgefühl – ein Ort, der mir dann doch noch „Urlaubsmomente der ganz besonderen Art“ beschert.

7. Juni 2014: ENDE NEU von Michael Strasser: Ich sitze etwas unterhalb des Mallnock Gipfels und blicke erstmals ganz bewusst auf den vor mir liegenden verfallenen Heustadel. Unzählige Male bin ich bereits an ihm vorbeigewandert, ohne ihn jemals wirklich wahrgenommen zu haben. Doch nun, da er mich dank Land Art Künstler Michael Strasser in einem kräftigen Gelb anleuchtet, zwingt er mich gewissermaßen dazu, innezuhalten und ganz genau hinzusehen. So wird dieser verfallene Heustadel zum Sinnbild für den Wandel unserer Kulturlandschaft, stummer Zeuge früheren bäuerlichen Lebens in diesem Gebiet, das nun der Vergangenheit angehört. Als ich mich dann umschaue, sehe ich neben der atemberaubenden Kulisse der Kärntner Nockberge, dem fast schon unwirklich schönen Ausblick ins St. Oswalder Tal hinunter nun auch jene Spuren vergangener Zeiten, die mich über Veränderung, Fortschritt und Verlust nachdenken lassen. Damit hat ENDE NEU mein Bergerlebnis bereichert und meinen Blick geschärft – ein Blick, der nun ein wenig weiter geht als bis ins Tal hinunter.

Mein Fazit: Nock/art, das wanderbare Kunstprojekt, bewegt … und zwar im doppelten Sinne des Wortes. Ich freue mich schon auf die zukünftigen Projekte.